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Thursday, 23. November 2006

Mieten oder kaufen: Kein einfacher Vergleich

Frankfurt/Berlin (dpa/gms) - Raus aus der Wohnung, ab ins Eigenheim - so können Verbraucher auf die Dauer viel Geld sparen. Das behaupten zumindest Immobilien- und Baufinanzierer.


Frankfurt/Berlin (dpa/gms) - Raus aus der Wohnung, ab ins Eigenheim - so können Verbraucher auf die Dauer viel Geld sparen. Das behaupten zumindest Immobilien- und Baufinanzierer.

Doch in der Praxis sieht das oft anders aus. Verbraucherschützer warnen deshalb vor zu einfachen Rechnungen. Für den Immobilienkauf spreche vor allem die Unabhängigkeit gegenüber Mietsteigerungen, sagt Ivonn Kappel von der Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen in Berlin. «Experten sagen für die nächsten Jahre steigende Mieten voraus.» Sich dagegen zu wappnen, sei ein maßgebliches Argument fürs Eigenheim.

Ganz so einfach lasse sich der Vergleich nicht ziehen, hält Christiane Kienitz von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt dagegen. «In den meisten Vergleichsrechnungen tauchen bestimmte Faktoren gar nicht auf - oder sie werden unterschätzt.» Ein wichtiger Faktor bei allen Berechnungen sei zum Beispiel die Wertentwicklung einer Immobilie. «Wer eine Immobilie jetzt teuer kauft und keine Wertsteigerung erreicht, schneidet im dem Vergleich schlechter ab», erklärt Kienitz.

Berücksichtigen müssen Interessenten sowohl die Entwicklung der Mieten als auch des Kapitalmarktzinses. Beides hat Auswirkungen darauf, ob Eigentum oder Miete besser abschneidet: «Wenn die Mietersparnis geringer ausfällt, weil die Miete nicht so schnell steigt wie erwartet, sieht die Rechnung für den Eigentümer deutlich schlechter aus», warnt Kienitz. Steigt die Miete, die Kapitalmarktzinsen aber nicht, guckt der Mieter, der sein Geld angelegt hat, in die Röhre.

Corinna Merzyn vom Verband der Privaten Bauherren in Berlin warnt vor pauschalen Aussagen. Die einfache Vergleichsrechnung funktioniere nur, «wenn man sagen kann, dass man bis an sein Lebensende in der anzuschaffenden Immobilie wohnen will und sich die eigenen Bedürfnisse nicht ändern werden». Vor der Entscheidung sollten Interessenten sich daher einige wichtige Fragen beantworten, zum Beispiel ob es sie als potenzielle Käufer eines Hauses auf dem Lande im Alter vielleicht doch eher in die Stadt zieht.

Außerdem sind demografische Faktoren zu bedenken: «Wer heute kauft, muss daran denken, dass in 30 Jahren eher die geburtenschwachen Jahrgänge in dem Alter sind, dass sie kaufen wollen», sagt Merzyn. Damit sei eine geringere Nachfrage absehbar.

Diejenigen, die eine Immobilie noch im Alter bewohnen wollen, sollten zudem ihre finanziellen Möglichkeiten berücksichtigen, rät Merzyn: «Die Erfahrung zeigt, dass viele Leute, die vor 30 Jahren ein Haus gekauft haben, heute im Ruhestand sind und damit weniger Geld zur Verfügung haben.» Das sei dann genau der Zeitpunkt, zu dem wahrscheinlich große Reparaturen fällig werden.

Ein Immobilienkauf könne sich aber auch lohnen, betont Kienitz. «Wenn man ausreichend Eigenkapital hat, die monatliche Belastungsgrenze nicht überschritten wird, höhere Tilgungsleistungen vereinbart werden können und die passende Kreditlaufzeit gewählt wird, ist man auf der sicheren Seite.»

 

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